2022-07-18 Konzert-Review Crypta, Dust Bolt und Sepultura @Der Hirsch Nürnberg

„Ladies first“ heißt es an diesem heißen Montag im Nürnberger Hirsch. Den Abend eröffnet der düstere Damen-Vierer Crypta. Wer allerdings erwartet, dass die vier Mädels entspannte oder gar ruhige Töne anschlagen, irrt gewaltig. Aus den Boxen dröhnt astreiner, moderner und eigenständiger Deathmetal, der sich nicht im Geringsten verstecken muss. Im Gegenteil. Crypta lassen sich bewusst alle Möglichkeiten offen und spielen ihren extremen Metal ohne sich dabei in eine bestimmte Schublade stecken zu lassen. Enorm spielfreudig und technisch einwandfrei verwandeln sie denn gut besuchten Hirsch in einen wahren Hexenkessel. Hut ab! Ich kann jedem nur empfehlen, die Band mal live zu erleben. Hört einfach mal in den ersten Silberling „Echoes of the Soul“ rein. 

Nach diesem Brett geht es weiter mit einem wahren Thrash-Gewitter der Jungs von Dust Bolt. Ähnlichkeiten zu Bands wie Slayer und Kreator werden bei dem Vierer immer wieder relativiert durch Parts, die aus dem Crossover und Hardcore zu kommen scheinen. Dadurch klingt die Band nie eintönig, sondern überzeugt durch Eigenständigkeit und erfrischendes Songwriting. Der energetische Auftritt mit wehenden Haaren und einem amtlichen Circle Pit um den Gitarristen und Sänger Lenny Breuss, der sich mitsamt Gitarre und Mikrofon einfach mal ins Publikum stellt, wird mit Recht von den Anwesenden gefeiert. Sehr geil! Auch hier empfehle ich mal in das aktuelle Album „Trapped in Chaos“ von 2019 reinzuhören. Das lohnt sich. 

Als dann der Titãs-Song „Polícia“ vom Band zu vernehmen ist, fängt die komplette Meute das Tanzen an. Gefolgt vom Tribal-Intro entern die mächtigen Sepultura mit „Arise“ die Bühne und zeigen direkt, welche Stunde geschlagen hat. Gefühlt steigt die Temperatur nochmal um 10 Grad, denn spätestens jetzt bleibt niemand mehr still stehen. Dass Gitarrist Andreas Kisser aufgrund eines „familiären Notfalls“ nicht mit auf der Bühne steht, fällt zu diesem Zeitpunkt nur hartgesottenen Fans der Band auf. Denn Ersatzmann Jean Patton lässt zu keinem Moment der Show etwas vermissen. Und so stampft die Deathmetal-Dampfwalze durch alle Phasen der Bandgeschichte und lässt dabei natürlich den aktuellen Langspieler „Quadra“ mit drei gespielten Songs nicht außen vor. Besonders gefreut habe ich mich dabei über „Agony of Defeat“, meinen persönlichen Favoriten auf der Scheibe. Nach intensiven 90 Minuten voller Spielfreude und extremen (im Hirsch aber durchaus bekannten) schwülfeuchten Temperaturen geht dann nach den beiden Zugaben „Ratamahatta“ und „Roots Bloody Roots“ ein abwechslungsreicher Abend mit drei tollen und sehenswerten Kapellen zu Ende und lässt ein euphorisches und glückliches Nürnberg zurück. Vielen Dank!

Setlist Sepultura

  • Polícia (vom Band)
  • Tribal Intro
  • Arise
  • Territory
  • Means to an End
  • Capital Enslavement
  • Kairos
  • Propaganda
  • Sepulnation
  • Cut-Throat
  • Choke
  • Convicted in Life
  • Troops of Doom
  • Agony of Defeat
  • Slave New World
  • Refuse/Resist

  • Ratamahatta
  • Roots Bloody Roots

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