Live on Stage: 2026-07-06 Sex Pistols @ Tollwood
Ein warmer Sommerabend auf dem Tollwood-Festival in München bildete die Kulisse für ein Konzert zweier Punk-Legenden. Fans unterschiedlichster Punk-Subgenres kamen zusammen, um The Damned und die Sex Pistols zu feiern.
Den Auftakt übernahmen The Damned, die gleich zu Beginn ihre Freude darüber ausdrückten, ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum gemeinsam mit dem Münchner Publikum zu feiern. Zu diesem Zeitpunkt war das Zelt erst etwa zur Hälfte gefüllt, dennoch herrschte in den vorderen Reihen bereits ausgelassene Stimmung. Das übrige Publikum wirkte zunächst noch etwas zurückhaltend, was angesichts der sommerlichen Temperaturen und des überwiegend älteren Publikums nicht überraschte.
Die Band bewies jedoch eindrucksvoll, dass Energie keine Frage des Alters war. Mit sichtbarer Spielfreude, viel Bewegung und humorvollen Einlagen zog sie die Zuschauer immer stärker in ihren Bann. Für einen ungeplanten Moment sorgte eine gerissene Snare Drum. Sänger Dave Vanian kommentierte die Unterbrechung mit den Worten: „He’s playing so fast, he is breaking the snare drum.“ Nach einer kurzen Reparaturpause erhielt sogar die Ersatztrommel Applaus, bevor das Konzert nahtlos fortgesetzt wurde.
Vanian suchte während des Auftritts immer wieder die Nähe zum Publikum und sang mehrere Songs vom Fotograben sowie von den vordersten Lautsprechern aus. Dabei setzte er seinen Mikrofonständer mit augenzwinkernden Gesten ein. Während eines Schlagzeugsolos von Christopher Millar animierte Gitarrist Captain Sensible (Raymond Burns) die Zuschauer mit übertriebenen Kurbelbewegungen zusätzlich zum Mitmachen. Auf den Leinwänden neben der Bühne wurden parallel zur Show Jugendfotos der Band eingeblendet, wodurch die lange Bandgeschichte noch einmal unterstrichen wurde. Mit jedem Song stiegen Lautstärke und Begeisterung im Publikum, bis dichter Nebel Bühne und erste Zuschauerreihen vollständig einhüllte. Unter großem Applaus verabschiedeten sich The Damned.
Anschließend betraten die Sex Pistols die Bühne. Inzwischen war das Zelt nahezu vollständig gefüllt, und die Vorfreude entlud sich bereits mit den ersten Takten. Viele Besucher sangen die bekannten Songs textsicher mit. Während „God Save the Queen“ tauchten blaues, weißes und rotes Licht die Bühne passend in die Farben der britischen Flagge.
Besonders bei „No Fun“ beteiligte sich das Publikum lautstark mit rhythmischem Mitklatschen. Danach stellte die Band ihre Mitglieder mit kurzen Instrumentensoli vor. Im weiteren Verlauf des Konzerts wagten sich immer mehr Besucher zum Tanzen – vor allem jene, die die Geschichte der Sex Pistols bereits seit ihrer Jugend begleitet hatte. Mit „Anarchy in the U.K.“ erreichte der Abend seinen Höhepunkt. Band und Publikum mobilisierten noch einmal ihre letzten Reserven und verabschiedeten sich mit einem energiegeladenen Finale.
Beide Konzerte wirkten zwar kurz, erwiesen sich jedoch als genau richtig dosiert. Ohne überlange Ansagen reihten sich die Songs nahtlos aneinander und sorgten für einen abwechslungsreichen Abend, der eindrucksvoll zeigte, dass Punk auch nach fünf Jahrzehnten nichts von seiner Intensität verloren hatte.
Bilder des Abends findet ihr wie immer in unserer Gallery.