Festival-Mediaval XI in Selb, wir waren dabei!

Wenn Wasser sich in kleinen Flüssen von der Bühne stürzt, ist das ein Zeichen dafür, dass eine Feier im Freien gescheitert ist. Normalerweise. Das Festival Mediaval fand vom 06. bis zum 09. September in Selb, Oberfranken, statt und wurde von genau diesem Wetter überzogen. Donnerstag und Freitag war es nicht nur feucht, es war nass. Fotografen trauten sich nur noch vor die Bühne, nachdem sie ihre Kameras in Plastikbeutel gesteckt oder mit Klarsichtfolie umwickelt hatten, Handwerker und Markthändler suchten Schutz unter den Holzdächern ihrer Hütten – und die Besucher? Tanzten im Regen.

Auftritt von Omnia, Freitagnachmittag, wegen kleinerer Schwierigkeiten mit der Technik beginnt die Band mit einer Meme-Show. Und die Menschenmenge vor der Bühne dankt es mit Jubelrufen, feuert die Stimmung schon ohne Klänge an, bis schließlich das erste Zupfen an der Harfe erklingt und der Applaus explodiert. Singen, tanzen, jubeln, klatschen – als gäbe es den Regen nicht, feiern Hunderte die Pagan-Volk-Band Omnia. Irgendwann gibt dann sogar der Himmel auf – und entlässt die Sonne, die noch während des Konzerts ihre Strahlen auf das Gelände schickt, um Umhänge, Stiefel, Weste und Rüstung zu trocknen. Viele werden später ihre noch immer nasse Kleidung nah ans Lagerfeuer hängen, damit aus ihr die Feuchtigkeit dampft, welche die Sonne nicht vertreiben konnte. Die Recken: müde nach dem feuchtfröhlichen Tag. Aber glücklich.

Bei manchen ging der zweite Tag mit einem Stück Steak oder Rippchen auf dem Grill, bei anderen mit einem Schluck heißen Mets aus dem Horn zu Ende. Vereinzelt drang das Heulen von Wölfen durch die Nacht. Oder zumindest von Menschen, die sich als Wolfsmeute verstehen. Die Zeltgruppe „Wolfsrudel“ reiste mit 74 Festivalfans an und grüßte jede Wiederkehr eines Kameraden vom Festivalgelände auf den Zeltplatz mit dem tierischen Gruße in Richtung Mond und Sterne.

Am nächsten Tag waren wohl die Barden von Schandmaul das Highlight des Tages auf das die musikhungrigen Mengen fieberten. Zwei Mal sollten die Musikanten zum elften Geburtstag des Festivals Mediaval auftreten. An Tag I, Samstag, zelebrierten sie ihre Kunst in akustischem Klang – Thomas, Sänger und Frontmann der Band, ließ dabei keine Gelegenheit aus, seinen Bassisten Matthias damit aufzuziehen, dass er einen Tag länger ausharren müsse, bis er wieder mit „richtigen Sound“ über die Bühne fetzen dürfe.

Als Klangbrüder zelebrierten Ducky und Thomas das Trinklied, das „davon lebt, dass wir beide krachend daran scheitern und Fehler machen“, wie der Sänger der Band versprach. Tatsächlich stolperte Thomas mehr von Strophe zu Strophe, als dass er wirklich flüssig sang. Die Passage, dass er als Wandersmann die Tore der Hölle zuschlug, vergaß er völlig. Manchmal, so sagt es das Sprichwort, ist Weniger aber ja zugleich auch mehr. So mit Sicherheit auch in diesem Fall: das Publikum kriegte sich kaum ein vor lachen und zeitweise ging der Gesang in schallendem Grölen und Applaus der Menge unter.

Die beiden Tage der Schandmäuler waren die Tage der Sonne für das Mediaval. Tagsüber warm, am Abend weniger kalt als in den Vorjahren. Sobald sich die helle Scheibe hinter den Wipfeln der fränkischen Fichternwälder senkte und ihre letzten Strahlen in orangenem Licht ihre Schlacht gegen die einbrechende Dunkelheit fochten, da entzündeten Mägde und Bauern, Ritter und Knappen, Magier und Druiden, auf dem Gelände des Mediaval Feuer und Kerzen.

Im Vorfeld war lange Zeit unklar gewesen, ob es erlaubt sein würde, offenes Feuer in Schalen zu entfachen. Zeitweise erging sogar das Verbot in die Öffentlichkeit – der Sicherheit wegen. Holz verbrannt werden durfte dann doch – sehr zur Freude der Camper, die sich an Feuerschalen in gemeinsamer Runde wärmten und die Nacht mit der Musik knackender Scheite und knisternder Funkenschläge hereinbrechen ließen.

 

Festival Mediaval – das ist mehr, als Musik. Das ist Gemeinschaft, ein Du auf Du von Klein und Groß, das ist Verbundenheit und Familienfest, das ist Feuer wenn der Winter naht, ein Licht gegen die Kälte. Mediaval, das ist Gaukler und Zauberer, Ritter und Magd.

Mediaval, das ist vielleicht nicht authentischstes Mittelalter – aber Festival, so wie es sein sollte.

 

Für nächstes Jahr stehen übrigens schon die ersten Acts fest. Darunter schon jetzt die Pagan-Größen Eluveitie und Heilung.

 

Bericht+Bilder: Manuel Stark